E-Health: PROMETHEUS und der mündige Patient

Wenn Ihr Arzt Sie nicht ausreichend in Ihre Krankheitsbehandlung einbezieht, ist Hoffnung in Sicht. PROMOETHEUS transformiert die Arzt-Patient-Beziehung.

Immer mehr Patienten sind unzufrieden mit der gewohnten Einwegkommunikation und der Asymmetrie im Gespräch mit ihrem Arzt. Diese Menschen möchten eine aktivere Rolle in der Behandlung ihrer Krankheit spielen und bei der Therapiewahl wesentlich mitentscheiden. Genau dies ermöglicht das Interreg-Projekt PROMETEUS.

Medizin im Wandel

Das Gesundheitssystem befindet sich im Umbruch. Die Bevölkerungspyramide ändert sich massiv, es gibt immer mehr Patienten und immer weniger Ärzte. Die Zeit, die ein Arzt pro Patient aufbringen kann, nimmt konstant ab. Und die Ansprüche der Patienten ändern sich radikal.

Lange Zeit akzeptierten Patienten einfach das, was ihnen vorgesetzt wurde – die Vorsorgeuntersuchung beim Arzt um die Ecke und die Krebsbehandlung im Krankenhaus vor Ort. Man dachte sich „der Arzt wird schon wissen, was er tut und Krankenhaus ist Krankenhaus“. Doch diese Einstellung ist im Wandel. Patienten wird immer mehr bewusst, dass es große Unterschiede in der Ausstattung von Kliniken, in der Erfahrung von Ärzten und in der Qualität der Aufklärung gibt. So wie Konsumenten Produkte und Anbieter vergleichen, bevor sie beispielsweise ein bestimmtes Auto kaufen, so fangen Patienten an, auch Ärzte und Kliniken zu vergleichen. Und Patienten werden immer mobiler und flexibler. Laut aktuellen Umfragen würden sich zwei Drittel aller Europäer ohne Probleme auch in einem anderen EU-Staat behandeln lassen. Der Wettbewerb hat begonnen und die Patienten sind mündiger geworden.

Patient Empowerment: Stärkung des Patienten

Shared Decision Making, Co-Design, Informed Choice – die Liste der Schlagworte, die im Zusammenhang mit Patient Empowerment auftauchen, ist lang. Was sie allerdings wirklich bedeuten und welche Effekte sie im Alltag des Patienten haben, ist vielen Menschen nicht bewusst. Das hängt auch damit zusammen, dass Patient Empowerment grundsätzlich ein eher abstraktes und nicht greifbares Konzept ist. Das möchte PROMETHUES ändern, indem es Patient Empowerment konkret umsetzt. Es stellt sich daher die Frage: Was macht einen ‚mündigen Patienten‘ aus? Ein ‚Empowered Patient‘ hat Kontrolle über das Management seiner Krankheit. Er verfügt über das Wissen, die Fähigkeiten, und das Selbstbewusstsein, das nötig ist, um das eigene Verhalten anzupassen und – in Kooperation mit medizinischen Experten – für sich selbst sinnvolle Therapieentscheidungen zu treffen.

Wissen über die eigene Situation, den eigenen Körper und Geist, und Wissen über mögliche Therapieoptionen sind der entscheidende Faktor für selbstbestimmte Entscheidungen des Patienten. PROMETHEUS setzt daher auf mehreren Ebenen an um Patienten zu stärken. Das Bewusstsein über die eigene Situation wird durch verschiedene Arten von Technologien geschaffen, mit dem sich Symptome dokumentieren und einfacher kommunizieren lassen. Das Wissen über unterschiedliche Therapieoptionen und deren Konsequenzen entsteht durch neues, für Patienten verständliches Aufklärungsmaterial, wie beispielsweise interaktive Videos oder adaptive Apps. Es geht dabei um individualisiertes Informationsmaterial, angepasst an den einzelnen Patienten oder Angehörigen.

Früher hat man die Aussagen eines Arztes ohne Fragen akzeptiert. Doch heutzutage erwarten die Patienten mehr. Sie recherchieren und differenzieren, bevor sie eine bestimmte Behandlungsmethode wählen. Die Kontrolle über das eigne Leben steht für den modernen Patienten im Vordergrund. 

Felix Prell, Projektleiter PROMETHEUS – Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Verständlich angepasste Information

Damit Patienten sich selbst ‚empowern‘ können, benötigen sie Zugang zu allen relevanten Informationen. Grundsätzlich sind durch das Internet alle entsprechenden Informationen verfügbar, allerdings ist es für den medizinischen Laien – und manchmal auch für den Arzt – sehr schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen, zu beurteilen, welche Informationen wissenschaftlich korrekt sind, welche nicht, und was sie konkret bedeuten. Auf der anderen Seite stehen dem offizielle Aufklärungsmaterialen gegenüber, die zwar validiert und soweit bekannt medizinisch korrekt sind, dem Patienten aber oft nicht direkt zugänglich und verständlich sind.

Eines der Ziele des PROMETHEUS-Projekts besteht darin, unterschiedliche Aufklärungsmaterialien und -medien zu entwickeln, die dem Patienten einen echten Mehrwert bieten, indem sie ihm neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in einer Art und Weise zugänglich machen, die für den Patienten leicht verständlich sind. Das kann durch angepasste Texte, erweiterte Grafiken und multimediale Darstellungsformen, wie Animationen und Videos, geschehen. PROMETHEUS wird den aktuellen Ist- und den vom Patienten erwünschten Soll-Zustand ermitteln und Lösungen entwickeln, die diese Lücke schließen. Prometheus arbeitet daher sowohl mit Patienten als auch mit Ärzten sehr eng zusammen. Denn sowohl Patienten als auch Ärzte müssen lernen, als Team zu agieren.

Das PROMETHEUS-Konsortium

Leadpartner des PROMETHEUS-Projekts ist das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Die Projektpartner auf dänischer Seite sind das Sygehus Lillebælt (Krankenhaus Lillebaelt), die Syddansk Universitet (Süddänische Universität), das Institut for Regional Sundhedsforskning (Institut für regionale Gesundheitsforschung), sowie die Universitet Aarhus (Universität Aarhus).

Unterstützt werden die Hauptprojektakteure von ihren Netzwerkpartnern, der Life Science Nord GmbH, der Fachhochschule Kiel, der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer GmbH Schleswig-Holstein, dem Landesverband Prostatakrebsselbsthilfe Schleswig-Holstein, dem Selbsthilfebund Blasenkrebs e.V., der Fachhochschule Flensburg, der Sundhedsinnovation Syddanmark, Welfare Tech, und der Region Sjælland.