JUMP: Ein anderer Weg in das Berufsleben

Ungewohnte Situationen können am Anfang unangenehm sein. Doch wenn man es wagt, sich selbst herauszufordern, über den eigenen Schatten zu springen, dann wird es zukünftig einfacher sein, sich selbst zu überwinden und man wächst als Person, wird engagierter, mutiger und erfolgreicher.

Ich bin zu Besuch bei Klemmenstrupgaard in Køge auf Sjælland. Die Produktionshochschule ist Partner im Projekt JUMP und ich habe mir vorgenommen herauszufinden, wie das Projekt für nicht-ausbildungsbereite Jugendliche konkret unterstützen möchte und auf welche Art sich das Projekt von anderen Ausbildungsprojekte unterscheidet.

„Wenn man sich zum ersten Mal traut in das kalte Wasser zu springen, wird es das nächste Mal etwas einfacher,“ erklärt Peter Grove Andreasen, Lehrer an der Produktionsschule Klemmenstrupgaard und Projektverantwortlicher für JUMP.

Sich dem Unbekannten stellen

JUMP steht für Jobs durch Austausch, Mobilität und Praxis. Der Schwerpunkt im Projekt ist es, Schüler schrittweise auf unbekanntes Terrain zu entsenden, um sie dadurch zu stärken. Parallel dazu werden wissenschaftliche Evaluationen vorgenommen, um besser zu verstehen, welche Instrumente in der Praxis funktionieren und welche nicht. Ziel ist es, die Jugendlichen mit Kompetenzen auszurüsten, damit sie besser in der Ausbildungswelt und auf dem Arbeitsmarkt navigieren können.

„Wenn Schüler in das Ausland gehen, werden sie neue Erkenntnisse erlangen, so die Idee in Deutschland. Vor ein paar Jahren waren deutsche Austauschschüler hier an der Schule zu Gast und wir beobachteten genau diesen Effekt bei den dänischen und deutschen Schüler. Es ist nicht nur spannend, Fremde zu treffen, es ist auch charakterbildend und es kann für die langfristige Entwicklung des Lebens der einzelnen Jugendlichen von sehr großer Bedeutung sein. Deshalb entschieden wir uns, bei JUMP mitzumachen.“

Peter Grove Andreasen zeigt mir die beeindruckende Ausstattung der Schule, die Gärtnerei, die Holz- und Metallwerkstatt, die Designstube und vieles mehr. Überall produzieren Jugendliche Waren, die dann später in der näheren Umgebung und an Händler verkauft werden.

„Lohnt sich der Einsatz?“, ist meine Frage an Peter. Warum eine Menge Ressourcen an Jugendliche verwenden, die aus dem einen oder anderen Grund nicht die Mentalität haben oder Voraussetzungen besitzen, um das Pensum in der Schule zu lernen?

Peter antwortet prompt, dass wir uns nichts anderes leisten können und vergleicht JUMP mit dem Krankenkassensystem: „Zukünftig werden alle von der heutigen Arbeit profitieren. Es ist wirtschaftlich sinnvoll, den Jugendlichen jetzt zu helfen und dadurch den Staat und die Kommunen vor massiven kommenden Ausgaben zu bewahren. Wir sind an dem präventiven Effekt interessiert, genauso wie die Krankenkassen. Des Weiteren besitzen die Jugendlichen viele verschiedene Ressourcen, die wir sehr gerne weiterentwickeln möchten, damit wir als Gesellschaft und der einzelne Jugendliche davon profitieren kann.“

Eine dreistufige Rakete

Peter Grove Andreasen und ich sind in einem hellen Raum, geprägt von altem Fachwerk, angekommen. Eine Schülergruppe hört einem Lehrer konzentriert zu, der eine moderne Kamera in den Händen hält. Hier wird in Videoproduktion, der Erstellung von Homepages und digitaler Kommunikation unterrichtet. Nachdem wir die Schüler begrüßt haben, erzählt Peter von JUMPs dreistufiger Rakete, die die Jugendlichen Stufe für Stufe herausfordert.

„In der ersten Stufe besuchen die dänischen Schüler für einen Tag einen unserer deutschen Projektpartner. In der nächsten Stufe werden die Schüler drei Tage eine der Werkstätten der deutschen Schulen besuchen. Hier werden die Schüler wirklich erfahren, wie der Alltag auf der anderen Seite des Fehmarn Belts aussieht. In der letzten Stufe werden die Schüler zwei Wochen lang reguläre Arbeit bei einer unserer bisher dreizehn Firmen, die bei JUMP teilnehmen, ausüben. Dies wird die wahre Prüfung in unbekannter Umgebung. Die gleichen Möglichkeiten werden die deutschen Schüler in Dänemark erhalten.“

Klemmestrupgaard hat bereits früher gute Erfahrungen gemacht mit der Einbindung privater Partner, um die Jugendlichen besser zu qualifizieren. Das einzigartige an JUMP ist die Kooperation mit Firmen. JUMP ist nicht einfach ein grenzüberschreitendes Projekt oder eine Vermittlungsstelle für Praktika. JUMP versucht gezielt Barrieren zu reduzieren und Initiativen von Schülern und Firmen zu unterstützen, die den Übergang vom Schulleben zur Berufswelt erleichtern.

„Wir schmeißen die Jugendlichen nicht einfach in das kalte Wasser. Nach jedem eintauchen justieren wir die Temperatur, damit die Jugendlichen sich nach und nach an die Temperatur gewöhnen. Die Teilnahme ist natürlich freiwillig.“

Wissenschaftlige Evaluation und Future Camps

Die Ansätze und Lernformen des Projekts werden fortlaufend von der Europa-Universität Flensburg und der Roskilde Universität analysiert, damit das Potenzial von JUMP bestmöglich ausgeschöpft wird. JUMP ist keine geschlossene Einheit, es hat das langfristige Ziel neue Methoden und Modelle zu entwickeln, die eine positive Veränderung für Jugendliche und Firmen darstellen, auch nach dem Projektende 2019.

Zusätzlich zu den wissenschaftlichen Analysen wird das Projekt laufend auf halbjährlichen Future Camps für Lehrer und für Schüler fortentwickelt.

Neue konkrete Lern- und Entwicklungswerkzeuge zur Stärkung der Schüler werden von den Lehrern erstellt und gleichzeig bereichern private Unternehmen den Prozess mit ihren praxisnahen Erfahrungen und Wissen. Die Veranstaltung wird auch benutzt um neue Erkenntnisse an Studierende und damit an zukünftiges Lehrpersonal zu vermitteln.

Das Projekt wird auch auf den Evaluationsfahrten für die Schüler weiterentwickelt, die auch auch als Rekrutierungsinstrument für Unternehmen dienen.

Auf dem Weg nach Hause von Klemmenstrupgaard überlege ich, welche Bedeutung für die Arbeit mit Jugendlichen JUMP bekommen kann, die sich schlecht in der Schule zurechtfinden.

Wir wissen, dass es sehr teuer ist, Jugendliche ohne Zukunft, Vision oder Kontakt zum Arbeitsmarkt zu hinterlassen. Gleichzeitig bedeutet die demografische Entwicklung, dass wir schon im Laufe von einem Jahrzehnt massiven Mangel an Arbeitskraft haben werden. Durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit werden spezifischen Methoden, Lern- und Entwicklungsinstrumente entwickelt, die das beste von deutscher und dänischer Seite beinhalten werden, der Weg für eine verbesserte grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den Verwaltungen der beiden Länder wird geebnet, neue Instrumente und neue Rahmen des Verstehens werden den vielen zutiefst engagierten Lehrern zu Gute kommen und gleichzeitig werden die Augen der Hauptpersonen für den europäischen Arbeitsmarkt geöffnet.

 

Ein Beitrag von Jeppe Pers, Kommunikationsverantwortlicher – Interreg Deutschland-Danmark.