Konferenz über Mehrwert in der deutsch-dänischen kulturellen Zusammenarbeit: Wenn 2+2=5

Die klaren Töne der Violinen, die in den Händen der Kinder der Kreismusikschule Schleswig-Flensburg liegen, füllen den gesamten Saal, der mit ungefähr 170 Teilnehmern der deutsch-dänischen kulturpolitischen Konferenz in Schleswig gefüllt ist. Das lebendige Gespräch auf den Schulbänken erlischt und die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Bühne und die Programmpunkte von Politikern und Akteuren. Das Thema der diesjährigen Konferenz ist der Mehrwert von kulturellen gemeinsamen Projekten zwischen Deutschland und Dänemark. Auf dem Programm stehen konkrete Erfahrungen von Museen, Politik und Unterricht, sowie Reden von Ministern und Botschaftern. Ebenso wird auf das Jahr 2020 geschaut,  das das 100. Jahre Grenzziehung

Es wird deutlich, dass sich die Vortragenden viele Gedanken über die kulturelle Zusammenarbeit über die Grenze hinweg gemacht haben und sie teilen diese mit den Teilnehmern im Saal:

„Ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ein Luxus – oder eine Notwendigkeit?“ –Dirk Keil, NORDMUS

„Die Musik versetzt die Schülerinnen und Schüler in die gleiche Stimmung und bringt sie zusammen, aber gleichzeitig muss an beiden Sprachen festgehalten und in Dänisch und Deutsch kommuniziert werden.“
 –Marianne Nielsen, Als Performance Akademi, über die Erfahrung eines Sommercamps für deutsche und dänische Schülerinnen und Schüler.

Dänischunterricht für die Kleinsten an deutschen Schulen

Gerade die Überlegungen zur Sprache, vor allem in Bezug auf Kinder und Jugendliche, stellen einen wichtigen Punkt dar, als Schleswig-Holsteins Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Karin Prien, vor das Rednerpult tritt.

„Ich denke, dass zwischenmenschliche Treffen in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit erste Priorität haben sollten und ausschlaggebend sind. Vor allem, um jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich als Teil einer kulturellen Aktivität zu treffen und gemeinsam zu reden. In diesem Zusammenhang spielt die Sprache natürlich eine wichtige Rolle und ich finde es macht großen Sinn, dass mehr deutsche Schulen anfangen, Dänischunterricht anzubieten,“ sagt Karin Prien.

Sie beschreibt, wie Schleswig-Holstein an einem Pilotprojekt teilnimmt, bei welchem man sich an 10 Grundschulen auf intensiveren Unterricht in der dänischen Nachbarsprache fokussieren möchte.

„So wie mit vielen anderen Dingen, die erlernt werden, ist es am besten,  einfach so früh wie möglich zu beginnen. Deshalb konzentriert man sich vorerst auf die jüngsten Grundschüler, bei denen das Lernen spielerisch erfolgt. Es liegt jedoch im Konzept des Pilotprojekts, dass dieses ausgeweitet werden kann, sollte es erfolgreich sein,“ sagt Karin Prien.

Aus dem Saal wird vorgeschlagen, dass schleswig-holsteinische Jugendliche nach Dänemark kommen können, um dort für ein Jahr eine Efterskole mit dänischen Schülern zu besuchen. Efterskole ist eine besondere dänische Form einer freien Internatsschule, in der Unterricht ab der 8. Klasse angeboten wird. Ein Vorschlag, den die Ministerin gerne mitnimmt.

Wenn 2+2=5

Die dänische Kulturministerin Mette Bock spricht ebenfalls über die kulturellen Begegnungen  und zieht außerdem zwei große Schlüsse aus der deutsch-dänischen Zusammenarbeit.

„Ich denke bei einer geglückten Zusammenarbeit immer an die klassische Rechnung: 2+2=5. Dies bedeutet, dass das Ergebnis unserer gemeinsamen Bestrebungen Ergebnisse mit sich bringt, die größer als unser Beitrag sind. Es entsteht ein Mehrwert in der soliden und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und genau das ist es, worin wir gut sind,“ sagt Mette Bock.

Ihr Vorschlag, das deutsch-dänische Grenzland für die UNESCO-Liste des Immateriellen Weltkulturerbes zu nominieren, wird auch von der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin und mehreren anderen Vortragenden im Laufe der Konferenz genannt – und ebenso von der dänischen Kulturministerin selbst, als sie ihren Vortrag beendet.

„Es gibt eine Tradition für vorbildliche Zusammenarbeit und starken Minderheitenschutz im deutsch-dänischen Grenzland. Ich denke, dass diese eine gute Basis bildet, um sich für die Aufnahme auf die UNESCO-Liste zu bewerben. Es ist ebenfalls ein starkes Signal, dass die Bewerbung zu einer gleichwertigen deutsch-dänischen Zusammenarbeit wird. Wir sind enge Partner. Und stellt euch vor, wenn wir 2020 auf die Liste aufgenommen werden würden – ich könnte mir kein besseres Geschenk für den 100. Jahrestag vorstellen,“ sagt Mette Bock.

Die kulturpolitische Konferenz am 22. Februar wurde von dem Projekt KursKultur mit Mitteln der Partner hinter der Region Sønderjylland-Schleswig, des dänischen Kulturministeriums und dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein arrangiert. Die Interreg-Projekte NORDMUS und kultKIT waren ebenfalls an der Veranstaltung beteiligt.

KursKultur steigert die zwischenmenschliche Zusammenarbeit in der Programmregion von Interreg Deutschland-Danmark und unterstützt eine Reihe von Mikroprojekten. Das Projekt KursKultur 2.0 ist gerade vom Interreg-Ausschuss im Dezember genehmigt woden und erhält von 2019 bis 2022 einen Zuschuss von ca. 2,2 Millionen Euro von Interreg Deutschland-Danmark.

 

Fotorechte: Tim Riediger