NorDigHealth: Weniger kranke Bürger

Sowohl in Deutschland als auch in Dänemark ist es für das Gesundheitswesen eine große Herausforderung, dass es mehr alte Menschen gibt und somit auch leider mehr kranke Menschen. Die Partner im Projekt NorDigHealth wollen neue Lösungen testen, die die Verschlechterung von Krankheiten und eventuellen Komplikationen in einem früheren Stadium nachweisen und somit vorbeugen können.

Im Projekt wurden zwei sogenannte „tech towns“ in Lübeck und Næstved etabliert, wo eine große Gruppe von Bürgern und Patienten Teil von zwei umfangreichen Testcentren geworden ist. Die Gesundheitsdaten der Bürger mit Hilfe der Nutzung von Apps, Fit-bits und Smartwatches können selbst angewandt werden, um Krankheiten vorzubeugen oder rechtzeitiger als bisher zu erkennen.

Die Projektpartner möchten einen Beitrag dazu leisten, dass die Bürger gar nicht erst krank werden – oder nur so kurz wie möglich krank sind.

Søren Tvilsted, Programmleiter beim Universitätsklinikum Sjælland, dem Leadpartner des Projekts, erzählt:

„Indem wir die großen Datenmengen analysieren, die laufend durch die elektronischen Einheiten der Bürger gesammelt werden, wollen wir in Kombination mit den Daten des Gesundheitswesen Methoden entwickeln, um abgelegen wohnende Bürger in ihrem eigenen Zuhause beobachten zu können. Darüber hinaus untersuchen wir, inwiefern die Bürger sich geborgener fühlen, wenn sie in ihre eigene Behandlung mit einbezogen und zu Hause nach einer Behandlung beobachtet werden, und ob Kliniken dadurch bessere Möglichkeiten erhalten zu reagieren, wenn der Bedarf besteht. Die Zusammenarbeit zwischen Region, Kommune und Bürger schafft es hoffentlich, dass wir den Bürgern und Patienten eine bessere Behandlung bieten und in einem höheren Grad Krankheiten vorbeugen können.“

Wie werden die Bürger durch neue Technologien beeinflusst?
Einer der Professoren und Oberärzte hinter dem Projekt ist Troels Wesenberg Kjær aus der Neurologischen Abteilung des Universitätsklinikum Sjælland. Er berichtet, dass das Projekt gerne untersuchen möchte, was Technologie für die Bürger leisten kann, wenn sie im privaten Umfeld angewandt wird. Hierbei sollen nicht nur die positiven Aspekte untersucht werden; die Produkte werden sowohl auf ihre guten als auch ihre schlechten Eigenschaften getestet.

Beispielsweise sollen Forscher der neurologischen Abteilungen untersuchen, welche Auswirkung es auf die Gesundheit, den Schlaf und das Stressniveau der Bürger hat, wenn elektronische Geräte wie Smartphones und Tablets innerhalb der letzten Stunden vor dem Schlafengehen genutzt werden. Die Theorie ist, dass man einen besseren Schlaf bekommt und dadurch ausgeruhter ist, wenn man nicht dem blauen Licht von elektronischen Geräten in der letzten Stunden vor dem Schlafengehen ausgesetzt ist. Die Forscher erwarten, dass ein besserer Schlaf u.a. Stress vorbeugen kann. Insgesamt nehmen 600 Bürger an den Tests der „Schlaf, Bewegung und Stress-Studie“ teil.

Indem eine größere Gruppe in sowohl Lübeck als auch Næstved an den Tests teilnimmt, hoffen die Forscher, mehr handfeste Beweise dafür zu bekommen, welche Auswirkungen neue Technologien auf die Bürger haben.

Frühe Hinweise auf Augenkrankheit, die erblinden lassen kann
Ein weiterer Untersuchungsrahmen des Projekts stellt der Test dar, ob der Gebrauch von speziell entwickelten Apps mehr Erkrankungen der Augenkrankheit AMD (altersbedingte Makuladegeneration) nachweisen kann, an der viele ältere Menschen leiden ohne es zu wissen. Die Krankheit beeinflusst das Lesevermögen und ist die häufigste Ursache eine geschwächte Sehkraft im hohen Alter. Wenn AMD rechtzeitig erkannt wird, können die Patienten behandelt werden, sodass die Sehkraft auf dem Niveau gehalten werden kann, auf dem sie zum Zeitpunkt der Diagnose war. Wenn die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, kann die Sehkraft sich soweit verschlechtern, dass der Bürger beispielsweise kein Auto mehr fahren darf – etwas, das lebensverändernd ist, wenn man auf dem Land lebt und sich selbst versorgt. Im schlimmsten Fall kann AMD bis hin zur Blindheit führen.
Torben Lykke Sørensen, Forschungsleiter und Professor in der Augenabteilung des Universitätsklinikum Sjælland, schätzt, dass nur die Hälfte der Bürger, die unter AMD leidet, rechtzeitig zur Behandlung kommt.

Die Projektpartner hoffen, dass der Test und die Weiterentwicklung von Apps zur Erkennung von AMD bedeuten werden, dass die Bürger durch Apps selbst untersuchen können, ob ihre Sehkraft schlechter wird – und dass somit mehr rechtzeitig zum Augenarzt und zur Behandlung kommen.

„Das Projekt kann potentiell gesehen dazu beitragen, dass ca. 400 Bürger im Jahr eine schnellere Behandlung für AMD erhalten und somit können wir die Krankheit hoffentlich rechtzeitig stoppen, sodass mehr Bürger ihre gute Sehkraft und somit ihren Führerschein behalten,“ sagt Torben Lykke Sørensen.

Deutsch-dänischer Mehrwert – Unterschiede führen zu der besten Lösung
Im Projekt NorDigHealth arbeiten Ärzte und Forscher des Universitätsklinikum Sjælland, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Roskilde Universitet und der Universität zu Lübeck zusammen mit den Unternehmen Nextlabel OHG und Cortrium ApS.

„Wenn man wie wir mit zwei verschiedenen Behandlungssystemen arbeitet, erkennt man die Unterschiede, die es gibt, und die uns die Möglichkeit zur Reflektion darüber geben, welche Lösung die beste ist. Im Projekt können wir außerdem neue Technologien an einer größeren Testgruppe in einer größeren geographischen Umgebung testen, wodurch die Technologien robuster werden und schneller im Gesundheitswesen angewandt werden können. Somit erhalten die Unternehmen hinter den Technologien ebenfalls einen Weg auf einen neuen Markt. Der Mehrwert besteht also darin, gemeinsam über die Grenze hinweg zu arbeiten,“ sagt Søren Tvilsted.