PROMETHEUS – Es ist der Mensch, den wir verstehen müssen

„Ich bin unendlich dankbar dafür, dass so viele engagierte Menschen uns zuhören. Die sind ehrlich interessiert daran unsere Geschichte zu hören, unsere Bedürfnisse zu verstehen und legen sich ins Zeug, um uns zu helfen“, sagt Mona Muusmann Petersen, welche unheilbar an Krebs erkrankt ist.

Wir haben Mona das erste Mal bei der Abschlusskonferenz des Projekts PROMETHEUS getroffen, welche am 17. Mai 2018 im Krankenhaus in Vejle stattfand. Seit dem Projektstart im Jahr 2015 hat Mona im Projekt mitgewirkt.

„Ich sehe es als meine Aufgabe an, meine Geschichte zu erzählen, da ich dadurch mir selbst und anderen helfen kann. Ich habe das Gefühl, dass ich dabei war, als etwas entwickelt wurde, das einen Unterschied für andere machen kann, die von einer ernsten Krankheit betroffen sind oder sein werden“, äußert  Mona, die ebenfalls Vorsitzende des „Patienten- und Angehörigenausschusses für Krebs“ im Krankenhaus von Vejle ist.

Patient und Arzt auf Augenhöhe – die Formel eines guten Verlaufs

Der neue, moderne Begriff „patient empowerment“ ist der Motor der gelungenen dreijährigen Zusammenarbeit zwischen Patienten, Angehörigen und Fachkräften. Aber was bedeutet das eigentlich und was haben die Patienten davon?

„Bei Patient empowerment geht es darum, dass die Patienten die Informationen, die ihren Gesundheitszustand betreffen, auf eine verständliche Art und Weise vom medizinischen Fachpersonal vermittelt bekommen. Trotz der Krankheit, vielen Informationen und überwältigenden Gefühlen sollen die Patienten ihre Krankheit verstehen können und somit die Macht über das eigene Leben behalten“, lautet es von Felix Prell, Projektkoordinator am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel.

Bei PROMETHEUS ist man sich sicher, dass patient empowerment eine Durchschlagskraft erreicht und der ehrliche Dialog gelingt, wenn:

  • Ärzte, Fach- und Pflegepersonal Fürsorge zeigen und sich Zeit nehmen, dem Patienten zuzuhören und seine Situation, Bedürfnisse, Werte und Ängste zu verstehen.
  • Patienten (und Angehörige) mutig genug sind, ihre Sorgen auszusprechen, ihre Situation zu schildern und vorbereitet zu einer Sprechstunde zu kommen.

Der ehrliche Dialog ist ein Tool für einen guten Behandlungsverlauf. Es klingt einfach, aber die Realität sieht anders aus. Bei PROMETHEUS hat man deshalb diverse Hilfsmittel entwickelt, die dem Personal und den Patienten helfen können, auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Theater als Tool – neuer Blick auf ein Arzt-Patienten Gespräch

Eines der entwickelten Tools sind Theaterstücke, die dem in das Projekt involvierten Fachpersonal den Bedarf an erfolgreicher Kommunikation verdeutlichen. Engagierte Schauspieler stellen verschiedene Situationen eines Gesprächs zwischen Patienten und Fachpersonal dar. Als Zuschauer haben die teilnehmenden Ärzte und das Pflegepersonal die Möglichkeit, mögliche Fehler der schauspielenden Ärzte zu erkennen und durch eigene Vorschläge eine gelungene Kommunikation zu erzielen.

„Anfangs war es für viele eine ungewohnte und teils unangenehme Situation, die eigenen Handlungen als Fehler zu erkennen“, berichtet Julia Lyhs, Projektpartnerin bei PROMETHEUS, „doch jetzt ist es eine große Bereicherung und wird dankend von den Betroffenen angenommen.“

Die verbesserte Kommunikation hat für beide Seiten Vorteile: Die Patienten werden auf Augenhöhe behandelt, Informationen werden ihnen verständlich vermittelt und das Fachpersonal erhält alle relevanten Informationen des Patienten, da dieser Vertrauen aufgebaut hat.

Blasenkrebs-Pass: von schweren 371 Seiten auf überschaubare 56 Seiten

 

 

 

 

 

 

 

 

Patienten, die an Blasenkrebs erkrankt sind, bekommen in vielen Fällen die Blase operativ entfernt, welches einen großen Umbruch im Alltag des Patienten darstellt. Es ist ausschlaggebend für die Genesung des Patienten, dass er/sie zur richtigen Zeit zu den notwendigen Kontrollen beim Arzt kommt.

Es gibt mehrere umfangreiche Nachschlagewerke mit diversen Informationen über Blasenkrebs und dessen Nachbehandlung, wie zum Beispiel „EAU Guidelines on Muscle-invasive and Metastatic Bladder Cancer“, welches eine Beschreibung über 371 Seiten ist. Es ist logisch, dass das Fachpersonal dem Patienten nicht den gesamt Inhalt erklären kann und umgekehrt kann man nicht erwarten, dass der Patient 371 Seiten liest und versteht, welche hauptsächlich in medizinischer Fachsprache geschrieben sind.

PROMETHEUS hat aus diesem Grund einen Blasenkrebs-Nachsorgepass auf nur 56 Seiten entwickelt, wo die zentralen Informationen zu finden sind. Das Heft kann der Patient jederzeit bei sich tragen, Notizen machen und Daten für Arztbesuche eintragen. Das Heft ist somit sowohl informativ für beide Seiten, eine Erinnerung des Patienten und eine gute Grundlage für ein Gespräch zwischen  Patient und Fachpersonal.

Die Projektpartner können feststellen, dass das Heft unglaublich beliebt ist. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es nur eine deutsche Ausgabe, aber eine dänische Version ist bereits auf dem Weg.

„Die Materialien und Produkte, die in PROMETHEUS entwickelt wurden, wurden meist erst auf einer Seite der Grenze getestet und später für die andere Seite angepasst. So wird der Blasenkrebs-Pass für die dänische Seite wohl digitalisiert werden, da dies in Dänemark schon stark ausgeprägt ist“, so Antje-Franziska Knauf, Projektmitarbeiterin im Krankenhaus Vejle.

Danke für drei erfolgreiche Jahre

Das Projekt endet Ende des Jahres und wir möchten die Gelegenheit nutzen, um den Partnern hinter PROMETHEUS für tolle Ergebnisse und eine gute Zusammenarbeit zu danken.