Alarm: Wenn das Blaulicht über die Grenze Leben rettet

Stellen Sie sich folgendes vor…

Sie sitzen an Ihrem Arbeitsplatz direkt an der deutsch-dänischen Grenze (wie wir vom Interreg-Sekretariat), als der Feueralarm losgeht und beißender Rauch durch die Türspalten dringt. Ihr erster Gedanke: Wie komme ich hier raus? Zu diesem Zeitpunkt ist höchstwahrscheinlich schon die nächstgelegene Leitstelle benachrichtigt worden. Doch befinden sich die nächstgelegene Leitstelle, die nächste Feuerwehr und der schnellste Rettungswagen wirklich immer in dem Land, in dem man sich gerade befindet? Die Antwort ist ganz klar: nein.

Ein Beispiel hierfür ist die dänische Siedlung Kolonist Huse nördlich vom deutschen Ellund. Sollte es hier zu Hausbränden kommen und viele Bewohner verletzt sein, wird auch der Rettungsdienst alarmiert. Es zählt jede Sekunde.

Die Aufgabe der zuständigen Leitstellen ist es, schnellst möglich das taktisch sinnvollste Rettungsmittel zu ermitteln und zu alarmieren. Eine genaue Abstimmung von Technik und klare Kommunikationswege sparen auch hier Zeit und retten Leben.

Auf dänischer Seite ist die nächstgelegene Feuerwache 8 Kilometer entfernt in Pattburg, der nächste dänische Rettungswagen ca. 18 Kilometer weiter in Tinglev stationiert.

Jetzt werden die nur 3 Kilometer entfernten Feuerwehrmänner aus dem deutschen Dorf  Ellund zu ihren Nachbarn über die Grenze hinweg alarmiert und können schneller ihre dänischen Kameraden unterstützen.

Vergleichbare größere Schadenslagen können natürlich umgekehrt auch auf der deutschen Seite entstehen. Heute stellen die Rettungsdienste der Region Syd und der drei deutschen Grenzkreise die Patientenversorgung sicher. Nachbarschaftliche Hilfe wird jedoch bei größeren Schadenslagen, bei denen es zu einem zeitweisen Missverhältnis von vorhandener und benötigter Hilfe kommt, benötigt. Die Unterstützung kommt dann direkt den betroffenen Bürgern zugute.

Diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird im Interreg-Projekt „Gefahrenabwehr ohne Grenzen“ nicht nur geübt und theoretisch durchlaufen, sondern findet auch Anwendung in realen Notsituationen.

Grenzenlose Hilfe:

Wenn auf der anderen Seite der deutsch-dänischen Grenze Hilfe in einer Notsituation benötigt wird, sagt unser erster Instinkt uns, dass wir helfen müssen. Bei Gefahrenabwehr ohne Grenzen – lautet das Motto: Die Grenze darf kein Hindernis für dringend benötigte Hilfe darstellen!

Das Projekt wird von erfahrenen Partnern durchgeführt, die schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten. Bereits in einem Vorgängerprojekt (Interreg 4a), konnten bedeutsame Ergebnisse im Bereich des Brandschutzes erzielt werden. In dem aktuellen Projekt werden diese Ergebnisse genutzt und neue Ziele breiter gefasst.

Neben einer größeren flächendeckenden Umgebung, werden neben dem Brandschutz auch weitere Gefahrenabwehrmaßnahmen, wie die Bekämpfung von Naturkatastrophen, in Angriff genommen. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Rettungsorganisationen und Leitstellen ermöglicht eine schnelle Hilfe für die Bürger der Programmregion in einer Notsituation – auch über die Grenze hinweg. Verschiedenste Szenarien werden entlang der deutsch-dänischen Grenze mit den dort gelegenen Einsatzstellen regelmäßig geübt.

Ich bin froh, wenn ich dadurch, dass ich meinem Beruf nachgehe, Menschenleben retten kann“, sagt Harald Siemen „und das allein dadurch, dass ich die Grenze überqueren darf.“ Und auch sein Einsatzkollege Jan Steingreber fügt hinzu: „Für uns ist es kein Unterschied, ob wir 10 Kilometer in die eine oder andere Richtung fahren – für diejenigen, denen geholfen wird, schon.“

Kleines Budget, große Hilfe:

„Gefahrenabwehr ohne Grenzen“ hat eine große Wirkung und dabei ist das Projekt im Vergleich zu anderen, eher als kleines Interreg-Projekt eingestuft. Mit einem kleinen Budget und einem engen Partnerkreis wird ein Unterschied in der Programmregion geschaffen. Wollen Sie mehr über das Projekt erfahren? Dann klicken Sie hier.